Erste Hilfe

Die ständig wachsenden Unfallgefahren im Haushalt, im Straßenverkehr oder wo auch immer, machen es notwendig, dass möglichst viele Menschen Erste Hilfe leisten können. Wer im Notfall von seinen Mitmenschen sachgemäße Erste Hilfe erwartet, sollte selbst fähig und willens sein, anderen zu helfen. Bei Unglückfällen zu helfen ist nicht nur eine moralische, sondern auch eine gesetzliche Pflicht.

Aufgaben des Ersthelfers

Der Ersthelfer muss schnell und richtig erkennen, was geschehen ist, muss überlegen, welche Gefahr droht, und muss zielstrebig unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation handeln. Er darf keine Maßnahmen ergreifen, die Ärzten, Krankenpflegepersonal und Sanitätern vorbehalten sind. Dazu gehört auch die Verabreichung von Medikamenten. Nach der Hilfeleistung gibt der Ersthelfer immer den Rat, einen Arzt aufzusuchen.

Rettungskette

Der Ablauf der Hilfeleistungen etwa nach einem Unfall kann wie eine Kette gesehen werden, die aus fünf Gliedern besteht. Die einzelnen Maßnahmen greifen wie Kettenglieder ineinander und dienen dem Ziel, einem Betroffenen bereits am Unfallort die notwendige Hilfe zu leisten um sicherzustellen, dass er innerhalb kürzester Zeit in ärztliche Behandlung gelangt. Der Ersthelfer wird im Bereich der ersten drei Glieder der Kette tätig.

Erste Hilfe bedeutet:

  • Lebensrettende Sofortmaßnamen durchführen
    Darunter versteht man alle Hilfeleistungen, die unmittelbar der Erhaltung des Lebens eines Verletzten dienen
  • Einen Notruf veranlassen
    Feuerwehr 115, Rettungsdienst 118, Polizei 113 oder Carabinieri 112 verständigen. Welche Informationen ein Notruf enthalten muß, siehe Verhalten bei Bränden bzw. Unfällen.
  • Weitere Erste Hifle leisten
    Den Verletzten vor zusätzlichen Schädigungen und Gefahren bewahren. Wunden versorgen. Die Schmerzen durch sachgerechte Lagerung oder andere Hilfeleistung lindern. Den Verletzten betreuen, trösten und Zuversicht ausstrahlen, aber keine Diagnose stellen. Unbedachtes und falsches Eingreifen Dritter verhindern.

Die Bergung

Sollte bei einem Unfall Lebensgefahr für Helfer und Verletzten bestehen, so steht die Absicherung bzw. Bergung im Vordergrund. Hierbei muß der Ersthelfer durch Beachtung gewisser Schutzmaßnahmen immer an seine eigene Sicherheit denken. Befindet sich also ein Verunglückter in einer Gefahrenzone, ein Bereich in dem trotz Absicherung akute Gefahr für das Leben des Verletzten und des Helfers besteht oder in der eine Absicherung nicht möglich ist, muss er rasch und so schonend wie möglich geborgen werden.

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Weitere lebensrettende Sofortmaßnahmen werden erst nach der Bergung durchgeführt, wenn sich Ersthelfer und Verletzter in Sicherheit befinden.

Bergen mit Bergegriff (Rautekgriff) aus einer Gefahrenzone

Der Helfer überkreuzt beide Arme des Verletzten unterhalb des Kopfes und zieht ihn aus der Gefahrenzone, dabei den Verletzten nur soweit wie nötig anheben.

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Bevor der Verunglückte aus dem Pkw geborgen wird, ist darauf zu achten, dass:
der noch laufende Motor des Unfallfahrzeuges abgestellt ist (Zündschlüssel stecken lassen), die Beine des Verletzten frei sind, vom Helfer der Sicherheitsgurt geöffnet wird und der Helfer den zu Bergenden leicht nach vorne beugt. Nun erfasst der Helfer den Verletzten mit dem Rautekgriff, dreht ihn zu sich und zieht ihn so aus dem Wagen, dass der Verletzte auf den Oberschenkeln des Helfers zu liegen kommt. So bringt er ihn aus dem Gefahrenbereich. Ist ein zweiter Helfer vorhanden, erfasst dieser die Beine des Verletzten. Airbags sind im Regelfall beim Eintreffen des Ersthelfers ausgelöst und drucklos. Wenn Grund zur Annahme besteht, dass Airbag-Systeme nicht ausgelöst wurden die Zündung auszuschalten und bei der Bergung aus dem Auto zu beachten, dass Kopf und Oberkörper des Helfers nicht in den Wirkungsbereich des Airbags gelangen.

Sturzhelmabnahme

Der Sturzhelm schützt den Kopf des Verunglückten vor Verletzungen, überträgt jedoch die Wucht eines Aufpralls auf die Halswirbelsäule (Halswirbelverletzungen). Ist der Verletzte ohne Bewusstsein, so muss zur Kontrolle der Atmung der Sturzhelm abgenommen werden, außerdemund besteht Erstickungsgefahr beim Auftreten von Erbrechen. Aber Vorsicht eine unsachgemäße Abnahme kann weitere Schäden an der Halswirbelsäule verursachen

Helmabnahme durch 2 Ersthelfer
Ein Ersthelfer kniet oberhalb des Kopfes und erfasst mit beiden Händen den Helm und fixiert so den Kopf unter Zugang unter Zug. Der zweite Helfer geht folgendermaßen vor:

sturzhelm

  1. Visier öffnen.
  2. Kinnriemen öffnen. Während der Helmabnahme sorgt der zweite Helfer für die Fixierung des Kopfes (Nacken, Kinn) und der erste Helfer geht folgendermaßen vor:
  3. Helm kippen, bis die Nase unter dem Kinnbügel sichtbar wird.
  4. Helm vorsichtig abziehen.
  5. Der erste Helfer übernimmt nun wieder die Fixierung des Kopfes
    und legt den Helm unter Zug vorsichtig ab.

Nach der Helmabnahme wird die Notfalldiagnose gestellt und werden die notwendigen lebensrettenden Sofortmaßnahmen durchgeführt.

Bewusstlosigkeit

Bewusstlosigkeit besteht, wenn ein Mensch auf Ansprechen, Berühren, Schmerzreiz nicht situationsgerecht reagiert, Atmung und Kreislauf aber erhalten sind. Es fehlen das Bewusstsein, die Muskelspannung und die lebenswichtigen Abwehrreflexe. Der Mensch ist in diesem Zustand hilf- und schutzlos.

Bewusstseinskontrolle:

  • reglosen Notfallpatienten ansprechen
  • berühren
  • Schmerzreiz zufügen

reagiert er darauf nicht situationsgerecht, so ist er ohne Bewusstsein. In diesem Fall sind die Atemwege (obere Luftwege) freizumachen durch:

  1. Öffnen beengender Kleidungsstücke und Entfernung strangulierender Materialien
  2. Inspektion der Mundhöhle; falls Erbrochenes, Blutiger Schleim, eine zerbrochene Zahnprothese vorhanden sind, wird der Kopf in der vorgefundenen Position ausgeräumt (Einmalhandschuhe und saugfähiges Material dazu verwenden)
  3. Überstrecken des Kopfes nackenwärts, um die eventuell zurückgesunkene Zunge hochzuheben und somit freie Atmung zu ermöglichen anschließend

Atem- und Kreislaufkontrolle

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« Schauen auf Brustkorbbewegung, Kreislaufzeichen (Husten, Schlucken, Bewegungen)
« Hören auf Ein- und Ausatemgeräusche
« Fühlen der Ausatemluft
« Der Helfer hält seine Wange und sein Ohr zum Mund des Notfallpatienten und sieht auf seinen Oberkörper

Die Atem- und Kreislaufkontrolle soll 10 Sekunden lang durchgeführt werden.

Stabile Seitenlagerung

Jeder Bewusstlose befindet sich, solange er auf dem Rücken liegen bleibt, in Lebensgefahr, weil durch Fremdkörper, Erbrochenes oder Zurücksinken der Zunge die Atemwege verlegt werden und dadurch der Tod durch Ersticken eintreten kann! Deshalb Freihalten der Atemwege durch die stabile Seitenlagerung:

  1. Der Helfer legt den ihm näherliegenden Arm des Bewusstlosen seitlich.
  2. Dann erfasst er den gegenüberliegenden Arm am Handgelenk und das gegenüberliegende Bein in der Kniekehle, führt das Kniegelenk zum Handgelenk, so dass Arm und Bein mit dem Körper ein stabiles Dreieck bilden.
  3. Nun wird der Bewusstlose vorsichtig in Seitenlage gedreht.
  4. Anschließend wird der Kopf des Bewusstlosen nackenwärts überstreckt und das Gesicht (Mund geöffnet) dem Boden zugewandt, so dass die Zunge die Atemwege nicht verlegt und Blut, Schleim oder Erbrochenes nach außen abfließen können.

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Kreislaufstillstand

Kreislaufstillstand besteht, wenn der Mensch auf äußere Reize nicht situationsgerecht reagiert, und weder Atmung noch Kreislauf feststellbar sind. Bei Kreislaufstillstand ist das Herz nicht mehr in der Lage, die lebensnotwendigen Organe mit Blut (Sauerstoff) zu versorgen.

Ist nach erfolgter Atem- und Kreislaufkontrolle weder Atmung noch Kreislauf festzustellen, so herrscht der Kreislaufstillstand vor. Der Kreislaufstillstand führt, wenn nicht innerhalb weniger Minuten Beatmung und Herzmassage einsetzen, zum Tod, als schnell handeln

  • Notruf
  • fehlende Atmung und fehlenden Kreislauf durch Beatmung und Herzmassage ersetzen. Es werden nach 2 Beatmungen 15 Herzmassagen durchgeführt, dann wiederum 2 Beatmungen – 15 Herzmassagen…
  • Kontrolle von Atmung und Kreislaufzeichen nach jeweils einer Minute durchführen
  • Ist die Kontrolle von Atmung und Kreislaufzeichen negativ, müssen Beatmung und Herzmassage weiter durchgeführt werden
  • Ist die Kontrolle von Atmung und Kreislaufzeichen positiv, muss der Notfallpatient in die stabile Seitenlage gebracht werden.

Beatmung

  1. Beatmungsfolie bzw. Stofftaschentuch über Mund und Nase des Notfallpatienten legen.
  2. Die Beatmung von Mund zu Nase:
    Der Helfer kniet seitlich vom Kopf des Notfallpatienten, überstreckt den Kopf und verschließt mit dem Daumen die Lippen. Der Helfer beatmet über die Nase den Notfallpatienten.

oder

  1. Die Beatmung von Mund zu Mund:
    Der Helfer kniet seitlich vom Kopf des Notfallpatienten, überstreckt den Kopf und verschließt mit dem Daumen und Zeigefinger die Nase. Der Helfer beatmet über den
    leicht geöffneten Mund des Notfallpatienten.
  2. Der Helfer hebt nach der Beatmung seinen Kopf ab und beobachtet das Ausströmen der Luft aus der Lunge des Notfallpatienten.

Herz-Massage

Durchführung der Herzmassage:

  1. Der Notfallpatient wird auf eine harte, unnachgiebige Unterlage gelegt.
  2. Der Helfer kniet seitlich vom Notfallpatienten und legt den Handballen einer Hand auf die Mitte der unteren Hälfte des Brustbeins (Druckpunkt) auf, ohne mit den Fingern den Brustkorb zu berühren.
    Der Handballen der anderen Hand wird darüber gelegt.
  3. Bei gestreckten Armen wird nun ein so starker Druck senkrecht auf das Brustbein ausgeübt, dass dieses 4 – 6 cm niedergedrückt wird. Die Herzmassage wird rhythmisch (d.h. eine gleichmäßige Be- und Entlastung des Brustkorbes) durchgeführt.
  4. Die Handballen dürfen dabei nicht abgehoben werden.
  5. Die Herzmassage ist gleichmäßig mit einer Frequenz von 100 mal pro Minute durchzuführen.

Blutungen

Unter Blutung versteht man das Austreten von Blut aus Blutgefäßen. Es gibt sichtbare äußere Blutungen (aus Wunden) – nur bei diesen Wunden ist eine exakte Blutstillung möglich – und innere Blutungen, die nicht sichtbar sind. Blutungen können durch Gewalteinwirkung, aber auch durch Erkrankungen hervorgerufen werden. Durch Blutverlust kann es zur Störung der Kreislauffunktion kommen. Eine starke Blutung kann, wenn sie nicht bzw. nicht exakt oder nicht rechtzeitig gestillt wird, unter dem Anzeichen eines schweren Schockzustands (=Kreislaufversagen) zum Tod führen!

Blutstillung

Die Blutstillung ist eine wichtige lebensrettende Maßnahme. Alle anderen Hilfeleistungen sind sinnlos, wenn infolge mangelnder Blutstillung der Kreislauf versagt. Für die Blutstillung ist nicht die Art der Blutung, sondern die Stärke der Blutung und somit der Blutverlust entscheidend. Beinahe jede sichtbare starke Blutung lässt sich durch genügend starken Druck von außen auf die Blutungsquelle mittels Druckverband, Fingerdruck stillen. Bei der Ersten Hilfe sollte jeder direkte Kontakt mit Blut vermieden werden (Einmalhandschuhe verwenden!).

Vergiftungen über die Atemwege

Kohlen(mon)oxydvergiftung (CO)

Kohlen(mon)oxyd ist ein farbloses, geruchloses und giftiges Gas. Es kommt in Auspuffgasen, bei schwelenden Bränden (Rauchgas), bei Explosion von Sprengstoff sowie bei unvollständiger Verbrennung in schlechtziehenden Öfen vor. Da sich das Gas im Freien rasch verflüchtigt, besteht die Gefahr (außer bei Großbränden) hauptsächlich in geschlossenen Räumen (laufender Motor in geschlossener Garage, Durchlauferhitzer). Kohlen(mon)oxyd-Luftgemische sind hochexplosiv.

Rauchgasvergiftung (Reizgas)

Durch Einatmen von Reizgasen kommt es zu Atemnot und Lungenschädigung. Dies kann oft erst nach Stunden zu akuter Atemnot und Ersticken führen.

Ersticken durch Kohlendioxyd (CO2)

Kohlendioxyd ist ein farbloses, schwach säuerlich riechendes, nicht brennbares und im Prinzip ungiftiges Gas, das schwerer als Luft ist und sich am Boden ansammelt. Dabei wird die Luft und somit der lebenswichtige Sauerstoff verdrängt, so dass es zur Erstickung kommt. Dieses CO2 kommt in Gärkellern (von Wein- und Mostkellereien), Silos, Jauchegruben, Stollen und Brunnenschächten vor.

In diesen Fällen sind Patient und Helfer in absoluter Lebensgefahr auf Grund von:
Vergiftung durch Gase, Erstickungsgefahr durch Sauerstoffmangel, Explosionsgefahr bei explosiven Gasen und Kraftstoffdämpfen, Stichflammen bei Öffnen von Türen bzw. Fenstern (bei schwelenden Bränden und Sauerstoffmangel), Einsturzgefahr (nach Bränden und Explosionen), Sichtbehinderung und dadurch Verlust der Orientierung. Eine Bergung aus dem Gefahrenbereich kann nur mit Hilfe eines von der Umgebungsluft unabhängig arbeitenden Atemschutzgeräts gefahrlos durchgeführt werden, daher sind Bergungsversuche durch den Ersthelfer zu unterlassen. Wegen einer möglichen Explosionsgefahr darf die Unglücksstelle nicht mit offenem Licht (brennendes Streichholz, Feuerzeug, Zigaretten) betreten werden. Wegen der Gefahr der Funkenbildung darf weder ein Lichtschalter betätigt noch ein elektrisch betriebenes Gerät in Betrieb genommen werden. Notfalldiagnose stellen und entsprechende lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen.